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Julia Ohse
Julia Ohse

Die Paderbornerin Julia Ohse erlebt ihre persönlichen Höhenflüge beim sogenannten Cosplayen. Da schlüpft sie in ein von ihr gebasteltes Kostüm, um einem Charakter aus einem Manga, Anime oder Hollywoodfilm  Leben einzuhauchen. 

"Ist denn heute schon Karneval?“ oder „Seid ihr in einer Sekte?“. Das hört Julia Ohse oft, wenn sie in voller Montur per Bahn oder Bus zu einer Veranstaltung, im Szenejargon Convention genannt, fährt. Bei solchen Fragen kann sie sich nur ein müdes Lächeln abringen. „Aber die meisten Leute sind neugierig und wollen wissen, warum ich mich verkleide“, sagt die 21-Jährige. 

Das Cosplayen schwappte wie die Mangas und Animes in den Neunzigern aus Japan nach Deutschland. Da begeisterte sich auch Julia Ohse für das Cosplay, obwohl sie erst vierzehn war. „Viele sind mit Animes groß geworden ohne das zu wissen“, betont die Expertin, die auch selbst Mangas zeichnet. Kinderserien mit Kultcharakter wie „Die Biene Maja“ oder „Heidi“  seien Anime-Serien und entsprächen dem klassischen Manga/Anime-Schema: Groß gezeichnete Augen mit denen die Trickfilmfiguren ihre Gefühle ausdrücken.       

Julia Ohse besuchte ihre ersten Conventions. Die bunten Kleider und Perücken in grellen Farben erschreckten und faszinierten das kleine Mädchen zugleich. „Da gab es eine Convention in Kassel. Ich war da als Waldjunge aus einem Videospiel unterwegs. Meine Mutter hat mir damals das Kostüm genäht.“

Heute näht die Studentin ihre Kostüme selbst. In der Schule habe sie das Nähen an der Maschine gehasst. „Mir ist immer alles wieder auseinander gefallen“, erinnert sie sich schmunzelnd. Heute hat  sie ein eigenes Nähzimmer, wo sie ihre Kostüme kreiert. Den handwerklichen Aspekt schätzt Julia Ohse besonders. Ihren Worten nach muss sie sich immer wieder etwas einfallen lassen, weil die Figuren oft Phantasiegestalten sind. „Manche Charaktere tragen zum Beispiel Flügel“, sagt die Paderbornerin. „Da muss ich schauen, wie man die am Rücken befestigen kann.“ Im Baumarkt findet die junge Frau Dinge, die sie verändert. So verwandelt sie Plastikrohre in Schulterteile für eine Rüstung. Cosplayer legen viel Wert auf das Detail. Das Kostüm soll haargenau dem Vorbild-Charakter entsprechen. Oft werden auch Charaktere aus bekannten Hollywood-Filmen dargestellt. „Ich war mal als Professor Snape unterwegs und habe mich auf alt geschminkt“, erzählt Julia Ohse.  

Cosplay sei aber für sie weder Lifestyle, noch Philosophie, sondern nur ein Hobby. Ein Hobby, das viele Unwissende zum Staunen bringt, wenn Julia Ohse kostümiert auf Paderborns Straßen wandelt. Und falls Sie jemals einer jungen Frau im ungewöhnlichen Aufzug  begegnen, fragen Sie nie, wirklich niemals, ob heute denn schon Karneval ist.  >>

Der Begriff Manga kommt aus dem japanischen und bedeutet etwa freies, ungezügeltes Bild. Mangas sind streng genommen japanische Comics. Die Figuren entsprechen dem Kindchenschema: Groß gekennzeichnete Augen, überproportional große Köpfe und kleine Nasen.  Anime sind Trickfilme, deren bewegte Bilder Mangas ähneln. Beim Cosplay, frei übersetzt Kostümspiel,  schlüpft der Teilnehmer durch Kostüm und Verhalten in die Rolle eines Charakters aus einem Spielfilm, Videospiel, Manga oder Anime.