Wenn der Hund nicht macht, was sein Herrchen will...
Paderborn. „Sitz!“ Der Terrier bleibt stehen. „Mach Platz!“ Der Dackel läuft einfach weiter. „Bei Fuß!“ Der Golden Retriever tollt durchs Gebüsch. Es ist ein Problem, das viele Herrchen und Frauchen kennen: Ihr Hund hört einfach nicht auf sie, schnappt vielleicht sogar nach ihnen. Da sind Stress und Ärger vorprogrammiert. Doch das muss nicht sein, sagt Dietmar Haberer. Er ist Hundetrainer und kann nach eigener Aussage einem Hund in zehn Minuten dazu zu bringen, „Sitz“ zu machen. Und das nur mit seinem Zeigefinger.
Zu Hunden hatte ich schon immer einen besonderen Draht“, erinnert sich Haberer. Der 42-Jährige wuchs schon in seinem Paderborner Elternhaus mit Hunden und anderen Tieren auf. „Ich hatte eigentlich immer mit den Vierbeinern zu tun“, sagt er. Beruflich ging er jedoch zunächst noch ganz andere Wege. 1987 heuerte er bei der Britischen Rheinarmee als Arbeiter an, wurde dort später zum Wachmann ausgebildet. 1994 ging er dann zur Hundestaffel. „Dort machte ich zunächst eine Ausbildung zum Hundeführer im Bereich Sicherheit“, erzählt Haberer. Doch als es die Möglichkeit zur Weiterbildung im Bereich Hundetrainer gab, habe er sofort begeistert zugeschlagen. Sechs Monate dauerte diese Maßnahme und beinhaltete „alles rund um den Hund“: Trainingsmethoden, Erste Hilfe, die komplette Anatomie der Tiere – ein „wahres Komplettpaket“ also.
Seit 2009 ist Dietmar Haberer, der in Sennelager lebt, nun in der „zivilen Welt“ als freiberuflicher Hundetrainer tätig. Und dafür hat er gute Gründe. „Ich muss mich immer sehr ärgern, wenn ich im Park spazieren gehe und sehe, wie Menschen ihre Hunde an der Leine lang zerren, mit ihnen schimpfen oder über sie fluchen“, sagt Haberer. Dabei ist für den Experten eines völlig klar: „Sogenannte Problemhunde gibt es nicht!“ Wenn der Hund nicht hört, so liege das schlicht und einfach daran, „dass er es nie richtig gelernt hat“, ist er sich sicher. Leider würden viele Hundehalter dann aus Verzweiflung einen Fehler begehen: Sie schleppen ihr Tier in die Hunde- oder Welpenschule. „Das kann einfach nichts werden“, weiß Haberer. Dort seien nämlich zu viele Tiere und zu viele Menschen auf einem Haufen, aber viel zu wenig Trainer: „Da kommt überhaupt nichts rüber.“ Einziges Resultat: Herrchen oder Frauchen hat viel Geld ausgegeben. „Aber wofür?“ fragt Haberer. Oft werde mit den Hundehaltern ein übles Spiel gespielt, sie zahlten viel Geld für wenig Leistung. „Aber leider ist Hundetrainer kein geschützter Beruf in Deutschland“, bedauert der erfahrene Hundeexperte, „jeder kann sich so nennen.“
Aber nur wenige können dann auch wirklich helfen. Dietmar Haberer jedoch hat nach eigener Aussage bis jetzt jedes Mal Erfolg gehabt. Er schildert ein typisches Beispiel. Das Telefon klingelt: „Wir haben ein Problem“, hört er jedes Mal aus dem Hörer. In diesem Fall ruft ein Ehepaar an, das eine Hundefamilie hält: Papa und Mama Labrador plus „Junior“. Und dieser Jüngste der drei beißt. Andauernd. Das Ehepaar überlegt schon, ihn abzugeben. Dietmar Haberer vereinbart daraufhin mit ihnen einen Ortstermin. „Ich muss das selbst in Augenschein nehmen und so viel Hintergrundwissen wie möglich in Erfahrung bringen“, erklärt der Hundetrainer: Woher kommt der Hund, wie lang ist er schon in der Familie und ähnliche Fragen. Dann macht er den Haltern einen Vorschlag: „In fünf Stunden Training ist das alles gelöst!“ Das Training muss vor Ort stattfinden, „denn auf dem Hundeplatz ist zu viel los, da ist immer Stress“. Die gewohnte Umgebung zu Hause sei jedoch gut für das Tier.
Wie so oft war auch das Ehepaar mit seinen Labradors schon einmal in der Hundeschule: „Wir haben viel Geld hingelegt, aber es hat sich nichts getan“, klagen sie. Das soll jetzt anders werden. In der ersten Stunde geht Haberer einfach mit allen spazieren, um zu sehen, wie das Gruppengefüge ist. Der Spaziergang an der frischen Luft ist jedoch völlig entspannt, also muss es an etwas anderem liegen. Bald merkt er, was Sache ist: Der „Junior“ reagier überhaupt nicht auf sein Frauchen. Also bekommt sie zunächst die Wochenaufgabe, mit dem Hund alleine spazieren zu gehen. In der zweiten Trainingsstunde bringt Haberer ihr dann bei, dem Hund Kommandos wie „Sitz“ zu geben, so dass er auch hört: „Wichtig dabei ist nicht nur das Wort, sondern die Haltung und die Geste!“ Auch dies wird wiederum eine Woche lang geübt: Mit großem Erfolg. In der dritten Stunde zeigt sich schon, dass der Hund eine Beziehung zum Frauchen aufgebaut hatte und insgesamt ruhiger geworden war. Probleme gibt es noch, wenn auch der alte Hund mit im Raum ist. Aber wenn dieser rausgenommen wird, ist alles bestens: Ihm war es zu stressig. „In der vierten Stunde war alles in bester Ordnung, die fünfte Stunde war nicht mehr nötig“, sagt Haberer stolz. Auch sein „Kontrollanruf“ nach sechs Monaten ergab: Keine Probleme mehr, ganz im Gegenteil.
Gekostet hat dies die Hundehalter nicht viel. Haberer nimmt nur 30 Euro die Stunde, statt rund 40 wie viele seiner Kollegen. „Das ist überteuert“, findet er. Und gibt unumwunden zu: „Reich wird man damit nicht.“ Darum geht es dem tierlieben Paderborner aber auch gar nicht. „Ich mache das in erster Linie, um den Leuten bewusst zu machen: Nicht die Hunde sind die Übeltäter, sondern die Menschen selber“, betont Haberer. Wer sich einen Hund zulegen wolle, müsse sich bewusst machen, „dass Hunde wie kleine Kinder sind: Ganz schön zeitintensiv!“
Ob man diese Zeit und Geduld habe, müsse man sich daher wirklich fragen und ehrlich beantworten. „Es ist einfach die Liebe zum Hund, die mich das machen lässt“, glaubt der Trainer. Deshalb kümmert er sich auch um Straßenhunde aus Spanien, die oft traumatisiert in Deutschland ankommen. Auch den örtlichen Tierheimen hat er schon seine Dienste angeboten, „ehrenamtlich natürlich!“. Leider bekam er keine Reaktion. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. >> Birger Berbüsse










