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Ampeln in Paderborn



„Irgendwie ist immer Rot wenn ich da lang fahre...“

Ampeln sorgen immer wieder für Gesprächsstoff, nicht nur in Paderborn. Mal auf politischer Ebene, mal beim Stammtisch.

Aber was steckt wirklich dahinter? HochGLANZ wollte es genauer wissen und hat bei der zuständigen Behörde nachgefragt.

 

Ampeln gibt es seit 1886. Die erste stand gasbetrieben in London vor dem House of Parliament und soll bereits nach kurzer Zeit explodiert sein. 1914 wurde erstmalig eine elektrische Lichtsignalanlage (wie Amplen eigentlich genannt werden) installiert, sie stand in den USA. 1922 entstanden die ersten Anlagen in Europa.

Heute gibt es in Paderborn 215 Ampelanlagen. Betreut werden diese vom Straßen- und Brückenbauamt. Wir treffen uns mit dem Sachgebeitsleiter Verkehrstechnik, Heinrich Block (60). Zusammen mit sechs Mitarbeitern (vier für die Wartung von Ort, zwei im Büro) haben sie gemeinsam das Ziel: „Soviel Grün wie möglich“.

Für dieses Ziel sind 179 dieser Anlagen miteinander vernetzt. Während früher die Zeiten für Rot und Grün fest eingestellt waren, so wird heute verkehrsabhängig geregelt. Dazu müssen die Anlagen aber Informationen über die aktuelle Verkehrslage sammeln. Während der menschliche Beobachter „mit einem Blick“ sehen kann, was auf einer Kreuzung los ist, so benötigt eine Ampelanlage Sensoren. Dies sind etwa in die Fahrbahn eingelassene Induktionsschleifen, Bewegungsmelder, aber auch die Taster für die Fussgänger. 

Bei einigen autarken Anlagen wird dann nach Bedarf auf Grün geschaltet, dies geht aber nur bei geringem Verkehrsaufkommen. An den meisten Kreuzungen gibt es aber einen regelmäßigen Zyklus, also eine Reihenfolge von immer wieder gleichen Rot- und Grünphasen. Dieser Ablauf (auch Umlauf genannt) ist immer gleich lang. Je länger dieser Umlauf ist (normalerweise 80 oder 90 Sekunden), je höher ist die Verkehrsleistung der Kreuzung. Da die Umschalt- und Sicherheitszeiten zwischen den Grünphasen für Richtung immer gleich sind, je mehr Zeit kann anteilig für Grün verwendet werden, je länger der Umlauf ist. Leider wird dabei auch die Zeit zwischen den Grünphasen länger. 

Verändert wird bei dieser Steuerung also nicht die Dauer des Umlaufes, sondern das Verhältnis der Grünzeigen zueinander. Ist also in einer Richtung mehr Verkehr (was die Anlage durch die Induktionsschleifen registriert, so wird hier die Grünphase verlängert, diese Zeit wird den anderen Richtungen abgezogen. Umgekehrt wird früher Grün geschaltet (zu lasten der anderen Richtungen), wenn sich Verkehr bei Rot zu lang staut. Der Umlauf an sich bleibt dabei aber gleich (siehe Phasenplan auf der nächsten Seite).

Allerdings ist an vielen Kreuzungen zu anderen Tageszeiten auch ein abweichender Umlauf erforderlich, vor allem deswegen, weil oft Verkehrsströme stark tageszeitabhängig sind, insbesondere morgens und abends.  Dabei hat die Umgestaltung der Arbeitszeiten in den letzten Jahren zu mehr Gleitzeit und die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten viel Entspannung in den Paderborner Verkehr gebracht. Aber auch für wiederkehrende Großveranstaltungen (Fussballspiele) gibt es eigene Umläufe.

Die Zeiten, nach denen sich Grünphasen verkehrsabhängig regeln, können von den Mitarbeitern des Amtes selbst verändert werden. Schon Veränderungen im Sekundenbereich können den Verkehrsfuß stark verändern. Der Umlauf selbst wird aber von externen Ingenieurbüros programmiert. Allerdings ist so eine Programmierung recht kostspielig, deswegen lassen sich nicht immer alle Anforderungen realisieren, insbesondere nachts haben viele Anlagen einen Phasenablauf, der identisch mit tagsüber ist.

Eine zusätzliche Erschwernis für die Verkehrstechnik ist die vor Jahren vom Rat der Stadt beschlossene Beschleunigung der Busse. Dabei hat jeder Bus einen Sender und GPS Empfänger, der das Fahrzeug bei erreichen einer bestimmten Position an der Ampelanlage anmeldet und für Grün in der Fahrtrichtung des Busses sorgt. Problematisch ist hierbei, dass viele Haltestellen vor einer Kreuzung liegen, die Zeit zum Ein- und Aussteigen lässt sich aber nicht vorhersehen. Zusätzlich bringt die Grünschaltung für den Bus den Umlauf durcheinander, es dauert mehrere Minuten bis die Anlage wieder im normalen Takt läuft. Für die Padersprinter hat dies aber zu einer deutlichen Fahrzeitverkürzung geführt.

Von den 215 Anlagen sind 179 mit dem zentralen Verkehrsrechner verbunden, hier laufen Störungen auf, aber auch die Zeiten für die einzelnen Phasen lassen sich zentral verändern.

Neue Programmierungen einspielen, aber auch Wartung und regelmäßige Sicherheitsprüfungen können nur von den orange gekleideten Mitarbeitern vor Ort durchgeführt werden. 

Und Sicherheit ist wichtig, denn eines darf niemals passieren: Das zwei Richungen gleichzeitig Grün haben! Aber keine Sorge, hierzu gibt es gleich mehrere Sicherheitssysteme, und diese schalten die Anlage ab. 

Dann gibt es nur noch gelbes Blinklicht....   <<