Lava Studios
In der letzten Ausgabe sind wir den Porsche Panamera probegefahren. Mancher mag sich noch an den Werbespot zur Markteinführung erinnern, nur wenige wissen: Der Soundtrack zum Spot kommt aus Paderborn.
HochGLANZ hat den Machern über die Schulter geschaut...
Es ist ein unscheinbarer Eingang, wir drücken die Klingel mit der Aufschrift „Lava Studios“. Lars Hesse (39), der das Studio 1996 gründete, empfängt uns.
Nach einem Praktikum in einer Werbeagentur, die Radiospots produzierte nahm er damals die Chance wahr, mit einem eigenen Studio in den Markt einzusteigen.
Auch den Umbruch aus der analogen in die Digitale Produktion hat er miterlebt, was heute eine umfassende Erfahrung für die Musikproduktion ergibt. Kunden aus aller Welt profitieren davon.
Aber wie entsteht nun die Musik zu einem Werbespot? – Zunächst hat dies erst einmal gar nichts mit Technik zu tun.
Am Anfang steht der fertige Spot – nur ohne Ton – es gilt Ideen zu entwickeln, welche Art von Musik, welche Stimmungen, Instrumente oder Melodien wohl am besten die Werbeaussage unterstützen, ohne aufdringlich zu wirken.
Für die Präzisierung dieser ersten Gedanken setzt sich Lars Hesse dann meistens ans Klavier oder greift sich etwa eine Gitarre. IN diesem Stadium ist die Produktion alles andere als Teamwork, denn auch hier gilt: „Viele Köche verderben den Brei.“ Erst wenn Klang, Melodie und der zeitliche Ablauf stehen, geht es an die eigentliche Produktion. Früher war hier immer ein Studio notwendig, etliche Musiker spielten nacheinander ihren Teilder Musik ein, aufgenommen wurde auf einem vielspurigen Tonband, selbst die abschließende Abmischung war immer einmalig und nie exakt wiederholbar.
Heute lassen sich nahezu alle Klänge im Computer synthetisch erzeugen. Es reicht eine Software wie z.B. „Logic“ um einen Spot zu produzieren. Die aufwändige Studiotechnik findet sich dann zu einem großen Teil in der Software wieder: Eine Vielzahl von eletronischen Instrumenten und Effekten lassen sich einstellen.
Für einen Soundtrack zu einem Werbespot brauchen die Paderborner von der ersten Idee bis zum fertigen Abmischen im Schnitt etwa eine Woche.
„Ich beginne meistens mit dem Schlagzeug“ sagt Lars Hesse, „dann kommen nach und nach Melodie, Akkorde und verschiedene Instrumente dazu“. Es wird alles auf dem Keyboard gespielt, die Software speichert Tonfolge, Lautstärke und Klangfarbe als sogenanntes „Midi“, aber erst der Computer macht daraus hörbare Töne – Klang und Instrumentierung lassen sich so später jederzeit noch verändern.
Dennoch kann auf Studiomusiker meist nicht verzichtet werden, so ist etwa eine echte Solo-Geigenstimme aufgrund der Vielzahl an Geräuschen und klanglichen Feinheiten nicht durch Elektronik zu ersetzten. Und das gilt natürlich noch viel mehr für die menschliche Stimme, sei es als Gesang oder als Sprache.
Anders als früher wandert auch die Studioaufnahme als Spur in den Computer, dort gespeichert können jederzeit noch klangliche Abstimmungen vorgenommen werden.
Als letzter Produktionsschritt müssen die vielen einzelnen Teilaufnahmen zu einer Gesamtkomposition zusammengefügt werden. So wird aus ein paar Sekunden Schlagzeug durch Wiederholungen ein Rhythmus, passend dazu werden Klänge, Effekte und Melodien arangiert. Dieser Arbeitsgang findet vollständig am Computer statt.
Der größte Vorteil der heutigen Technik ist natürlich die Reproduzierbarkeit, alle Einstellungen lassen sich speichern und wieder aufrufen und verändern. „Früher waren die Abstimmung am Mischpult unwiederholbar, mussten wir etwas ändern, so hat man das nie wieder genauso hinbekommen“ erinnert sich Lars Hesse. Heute kann man jederzeit noch einzelne Intrumente verändern oder hinzufügen, ohne bisherige Ergebniss zu verlieren.
Wie kommt aber ein relativ kleines Paderborner Studio an Kunden wie z.B. Porsche wollen wir wissen: „Hauptsächlich über Empfehlungen und gute Produktionen in der Vergangenheit“.
Aber oft werden auch mehrere Studios mit der gleichen Produktion beauftragt, der Soundtrack, der dem Auftraggeber am besten gefällt wird dann genommen.
„Als Studio aus Paderborn wird man separater wahrgenommen“ lernen wir, denn in Großstädten wie etwa Berlin gibt es viele Studios: „Da wird es schwieriger sich abzuheben.“
Der Einstieg in die Musikproduktion ist heute sicher leichter als zu „analogen“ Zeiten, in denen man viel in teure Technik investieren musste, dennoch sieht sich Hesse am Markt gut positioniert, denn „die Technik ist nur eine Art Werkzeugkasten“, 14 Jahre
Erfahrung mit analoger und digitaler Produktion sind damit nicht zu ersetzen.
Und viele erfolgreiche Werbekampangen, die mit einem Soundtrack aus Paderborn einen Award gewonnen haben geben ihm sicher Recht.







