Im Märzen der Bauer...
Wer kennt es nicht aus seiner Kindheit – das alte deutsche Volkslied „Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt“!? Dort ist vom Idyll des Bauernberufes die Rede. Doch wie sieht der Alltag eines Bauern oder Landwirtes in der heutigen Zeit wirklich aus?
Knochenharte Schufterei oder ein Beruf wie jeder andere? Sind es nur liebestolle, oftmals etwas „unterbelichtete“ Männer, wie es uns ein großer Privatsender Woche für Woche präsentiert? HochGLANZ hat einen jungen Landwirt aus Paderborn getroffen. Zu seiner „Familie“ zählen unter anderem 10.000 Puten.
Es ist ein sonniger Morgen im Vorfrühling. Hoch über dem Ort Husen bei Lichtenau hat sich Roman Ewers (23) sein kleines Reich aufgebaut. Dieses Reich besteht aus Wohnhaus, Hallen und Stallungen auf rund 4000 Quadratmetern. Seit Oktober 2006 betreibt der gelernte Kanalbauer eine Kükenaufzucht mit anschließender Putenmast. 10.000 Tierplätze stehen ihm zur Zeit zur Verfügung.
Wieso ist Roman Ewers Landwirt geworden? „Das hat viel mit meiner Familie zu tun“, erklärt er. „Meine Eltern betreiben eine Schweinezucht, an der sich jetzt mein Bruder auch noch beteiligt und somit habe ich die Landwirtschaft schon in die Wiege gelegt bekommen.“ Doch seine Leidenschaft gehörte zuerst dem Kanalbau, in dem er unter anderem auch seine Ausbildung absolvierte. „Eines Tages jedoch rief mein Vater an und erzählte mir von dem Putenbetrieb, der zur Übernahme stand. Das Angebot war so verlockend, dass wir zugesagt haben.“ Ab nun war Roman Ewers also auch Bauer. Und seit der 3-jährigen Ausbildung auch gelernter Landwirt.
Wie sieht die wirtschaftliche Situation eines Putenzüchters aus? Roman Ewers ist optimistisch, obwohl die Betriebskosten von Jahr zu Jahr wachsen. So ist die Dezitonne Futter in diesem Jahr schon 10 Euro teurer als im vergangenen Jahr. „Wenn man bedenkt, dass ich pro Jahr 1000 Tonnen Futter benötige, kann man sich die Zahl vorstellen, die dabei heraus kommt“, so der junge Landwirt. Aber auch der Kükeneinkauf wird immer teurer. Nichtsdestotrotz befindet sich sein Betrieb bereits im 13. „Durchlauf“. So nennt man eine Komplettaufzucht vom Küken bis hin zur Ausstallung bzw. Verkauf. Jeder Durchlauf bringt ein Putengesamtgewicht von 130 Tonnen zustande. Die Tiere werden bei der sogenannten Ausstallung von einer Verladekolonne auf LKWs geladen und kommen lebend nach Niedersachsen, wo sie dann zu Ober- und Unterkeule, Brust, Wurst und Grillfleisch verarbeitet werden.
Selbstverständlich werden beim gesamten Durchlauf Qualität und Hygiene besonders geprüft.
Roman Ewers Betrieb ist deshalb QS-Zertifiziert. Das QS-Siegel steht für Qualitäts- und Produktionssicherung. Bei regelmäßigen Kontrollen werden Checklisten mit über 100 Kriterien überprüft. Kontrollpunkte sind zum Beispiel: Futtermitteleinkauf, Tiergesundheit, Hygiene, tierschutzgerechte Haltung und vieles mehr. Zudem gehört der Betrieb zur Erzeugergemeinschaft, die besondere Richtlinien vergibt, die zur Qualitätssicherung beitragen. „Bei dieser Kontrolle habe ich kürzlich noch 100 von 100 möglichen Punkten erhalten“, freut sich Roman.
Ein junger, ehrgeiziger Mann – solch einen Eindruck vermittelt uns Roman Ewers auf jeden Fall. Und dass er nicht auf den Kopf gefallen ist, beweist er ebenfalls. Denn Buchführung, Büroarbeit, Einstall- und Ausstallpläne gehören ebenso dazu wie geschickte Preis-Spekulation. Das sei manchmal wie an der Börse.
Auf die Sendung „Bauer sucht Frau“ angesprochen kann Roman Ewers nur schmunzeln. „Das wird doch alles nur aufgewühlt, ins Lächerliche gezogen und der Bauer steht letztendlich als Depp da. Wenn die mir 50.000 Euro dafür geben würden, wäre ich sofort dabei und würde auch schauspielern“, lacht er.
Doch schon wieder ruft die Pflicht, denn der Jungbauer muss nun aufs Feld. 60 Hektar Ackerland gehören ebenfall s noch mit zum Betrieb. Raps, Weizen und Gerste – teils für den Eigenbedarf, teils für den Verkauf, werden dort angebaut.
Bei all der Arbeit bleibt dem jungen Bauern aber dennoch auch Zeit für anderes. „Wenn man seine Sachen vernünftig organisiert, bleibt einem auch Freizeit und man muss nicht auf alles verzichten“. So geht Roman einmal in der Woche schwimmen, darten ist gerne mit Freunden auch mal auf Kneipen-Tour in Paderborn und besucht besonders gerne das Capitol und das Sagebuiiken. Außerdem ist er unter anderem Mitglied im PBSV bei der Westernkompanie und im aktuellen Hofstaat 2010/2011 als Hofherr dabei.
Roman Ewers, ein zufriedener Putenzüchter im Jahr 2011. Und der Blick geht immer weiter nach vorn, denn der Pro-Kopf-Verbrauch an Putenfleisch steigt ständig und liegt momentan bei 6 kg im Jahr. Die fast schon logische Konsequenz ist nun die Betriebserweiterung um weitere 1800 qm... >> mk






